RaceChip baut einen Diesel-Panamera mit 1050 Newtonmeter. Er beschleunigt schneller als ein Ferrari F40. Blanke Angst oder pures Öl-Vergnügen? Test!

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Was kann dieser, offensichtlich von einem Tuner stammende Panamera?

Ihr kennt das vielleicht. Wenn ihr hin und wieder Tests getunter Autos lest. Da heißt es dann meistens: „Mehr Leistung ist nun wirklich das Letzte, was Fahrzeug XY gebraucht hätte, aber wer beschwert sich schon freiwillig über mehr Leistung?“ Tja, ich will jetzt nicht einfallslos klingen, aber selten passte dieser Satz besser als beim RaceChip Porsche Panamera 4S Diesel. Schließlich schmückt sich das ölige V8-Biturbo-Monstrum aus Zuffenhausen bereits ab Werk mit dem unbescheidenen Titel „schnellster Diesel der Welt“. Was kann da also noch groß kommen? Schnellster Diesel des Universums vielleicht? Der Göppinger Chiptuning-Marktführer RaceChip gibt sich jedenfalls alle Mühe und verziert den König der Selbstzünder mit wahrhaft beängstigenden Leistungsdaten. Mit 505 PS und 1.050 Newtonmeter, um genau zu sein. Und ja, wir haben auch kurz geschluckt ...

Das sind sehr viele PS und Newtonmeter ...

Ich weiß. Jetzt könntet ihr natürlich behaupten: „Was soll der ganze Firlefanz? Reichen 422 PS und 285 km/h Spitze denn nicht aus? Für ein nagelndes Fünf-Meter-Schiff, das die meiste Zeit seines Lebens in 120er-Autobahnzonen festhängt?“ Nun, vermutlich schon. Aber wenn ohne großen Aufwand noch so viel mehr geht? Seht es es doch mal positiv: Ein Familienauto (zugegeben: für eher betuchte Familien) mit vierstelligem Drehmoment ist eine gute Sache. Ein 2,1-Tonnen-Diesel, der laut Tuner in 3,6 Sekunden – und damit ganz nebenbei eine halbe Sekunde schneller als ein Ferrari F40 – auf 100 km/h geht , ebenfalls. Vor allem, wenn der ganze Spaß (plus 82 PS, plus 200(!) Newtonmeter, minus 0,7 Sekunden von 0-100 km/h) als Plug-and-Play-Chip kommt und gerade mal 750 Euro kostet.

Ein ziemlich brauchbares Drehmoment-pro-Euro-Verhältnis ...

Wie RaceChip seine Produkte für diesen Preis auf den Markt kriegt, ist immer wieder ein Rätsel. Schließlich verlangen andere Tuner gerne mal das Drei- bis Vierfache, sobald sie ein wenig an der Leistungsschraube eines deutschen Premiumproduktes herumfummeln. Der entscheidende Punkt bei RaceChip ist aber: Das irre und irre günstige Zeug funktioniert einfach. Spürbar, ohne Mätzchen und ohne Kommunikationsprobleme mit den Porsche-eigenen Fahrmodi. Wie üblich, könnt ihr per Handy-App steuern, ob ihr den Extra-Punch gerade abfordern möchten oder nicht. Dabei kommt der Zusatzchip den drei Panamera-Fahrprogrammen (Normal, Sport, Sport Plus) übrigens nicht in die Quere. Habt ihr Mehrleistung gewählt, kriegt ihr Mehrleistung. Der typische Einfluss der Fahrmodi auf Motoransprechverhalten und Getriebestrategie bleibt unverändert, nur eben mit mehr Dampf.

Und damit endlich zu dem, was dieses Mehr an Dampf bewirkt ...

Ja ja, schon gut. Ich weiß, die Zahlen klingen beinahe grotesk, aber erwartet beim Betonieren des Gaspedals bitte kein komplett neues Auto. Wenn ihr auf der Autobahn bei, sagen wir, 100 km/h den Pinsel voll durchdrückt, werdet ihr vermutlich keinen großen Unterschied feststellen. Das liegt nicht wirklich an RaceChip, sondern eher daran, dass das Serienprodukt bereits ein absoluter Berserker ist. Kleiner Tipp: Macht einfach den direkten Vorher-Nachher-Vergleich. Chip aus, Zwischenspurt. Chip an, Zwischenspurt. Und plötzlich merkt ihr, dass die siebeneinhalb Hunderter wohl doch ganz gut angelegt sind.

Für den endgültigen Beweis, dass dieses Invest ein ziemlich gutes ist, solltet ihr aber einfach mal einen gepflegten Launch-Control-Start in den Teer hauen. Nadel auf 3.500 Touren, Fuß von der Bremse und dann bitte seeehr gut festhalten. Der Panamera eskaliert derart nach vorne, dass ihr augenblicklich mit ein ein bis zwei Achsbrüchen rechnet. Ich glaube der erste und zweite Gang werden einfach verschluckt. Aber wer braucht schon niedrige Gänge, wenn er 1.050 Newtonmeter hat. Wir fuhren zu viert (macht schließlich jeder im Panamera), erreichten die 100 km/h nach für uns alle sehr zufriedenstellenden 3,8 Sekunden und ein paar ziemlich grüne Gesichter gab es auch noch obendrauf.

Sehr gut. Endlich ein spaßiger Diesel?

Wie mans nimmt. Denn das Einzige, was hier noch an einen Diesel erinnert: Dass ihr beim Tanken einen schwarzen Hahn in der Hand habt. Wie dieses Auto leistungsentfaltet, wie es sogar halbwegs gerne dreht, wie mächtig es klingt (mit Porsche-Serienauspuff), das ist schon alles sehr sehr fein. Was die unveränderte Achtgang-Doppelkupplung auf lange Sicht zu mehr als 1.000 Newtonmeter Drehmoment sagt, können wir hier aber natürlich nicht klären. Ach ja, nur falls es euch aus Prestige- oder Stammtischgründen interessiert: Die 300 km/h-Marke knackt dieses leicht verrückte Heizöl-Musclecar ebenfalls. Sonderlich lange dauert es nicht.

Ich höre aus so viel Blumigkeit in euren Worten: Dieser Chip könnte sich lohnen?

Wenn ihr mit einem der derzeit schönsten und modernsten Cockpits, haufenweise Beinfreiheit, Tablets auf der Rückbank und knapp neun Liter Diesel-Schnitt Supersportwagen verblasen wollt, dann ja.

Und der Rest? Ich erspähe weitere Tuningmaßnahmen ...

Da dieser Panamera ein RaceChip-Promotion-Auto ist, kommt auch er mit den unvermeidlichen Tuningbeigaben wie einer (ebenfalls per App) steuerbaren elektronischen Tieferlegung und einem Satz riesiger Nachrüst-Räder mit Hinterreifen, die breiter sind als der Rhein. Das KW-Fahrwerksupgrade für die Luftfederung legt den Panamera um bis zu 50 Millimeter tiefer, kann aber auch in Serienhöhe gefahren werden. Es macht ihn immerhin nicht härter oder hibbeliger, hat allerdings auch sonst keinen fühlbaren Einfluss auf die an sich schon hervorragende Fahrdynamik.

Die 21-Zöller von OZ sind wohl ein paar Gramm leichter als die Serienräder, aber erstens ist das bei einem derartigen Schlachtross ziemlich egal und zweitens lebt eine Luxuslimousine mit Serienrädern (die es ebenfalls bis 21 Zoll gibt) irgendwie schöner und stilvoller. All das ändert nichts daran, dass der schnellste Diesel der Welt gerade ein beängstigendes Stück schneller geworden ist. Und das zu einem Preis, für den ihr bei Porsche wohl nicht mal die nächsten zwei Ölwechsel bekommt.

Autor: Stefan Wagner

Technische Daten RaceChip Porsche Panamera 4S Diesel: 3956 ccm, V8-Biturbodiesel, Frontmotor, Allradantrieb, 505 PS, 1050 Newtonmeter, 8-Gang-DKG, 0-100 km/h in 3,6 Sekunden, >300 km/h Höchstgeschwindigkeit, 2125 Kilo, 8,9 Liter/100 km Testverbrauch, Preis 150.938 Euro

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