Porsches schnellster Viertürer aller Zeiten ist ein 680-PS-Hybrid. Wir und unser bemitleidenswerter Magen sind schon mitgefahren 

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Was ist dieses höchst beige Gefährt?

Das ist Porsches Antwort für alle, die Hybrid ein bisschen zu Toni Hofreiter und ein bisschen zu wenig Lemmy Kilmister finden. Der brandneue Panamera Turbo S E-Hybrid. Ein sehr großes Auto mit einem 4,0-Liter-Biturbo-V8, einem Elektromotor, einer Leistung von 680 PS und 850 Newtonmeter sowie einer offiziellen Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h. Offiziell wohlgemerkt. Dazu gleich mehr …

Warum tun sie das?

Auf unserem Mitfahr-Termin lief ein ganzer Haufen Porsche-Verantwortlicher rum und in den Gesprächen konnte ich immer wieder heraushören, dass man mit der eher milden Hybrid-Strategie beim Vorgänger-Panamera oder dem noch aktuellen Cayenne nicht komplett glücklich war. Nach dem Motto: Spritsparen ist ja ganz nett, aber um den durchschnittlichen Porsche-Kunden wirklich vom Hybrid zu überzeugen, sollte das Ding vielleicht auch gehen wie nichts Gutes. Sprich: Elektrifizierung nicht nur wegen Vorteilen beim Verbrauch, sondern vor allem wegen Vorteilen beim Bumms. Ein grünes Gewissen macht mit einem ordentlichen Tritt ins Kreuz schließlich gleich nochmal so viel Spaß.

Wo die Reise hingeht, konnte man ja schon beim kürzlich vorgestellten Panamera 4 E-Hybrid mit 463 PS erahnen. Naja und jetzt, jetzt holt Porsche mit dem neuen Turbo S E-Hybrid eben die ganz große Elektro-Kreissäge raus. Es ist eine Art Erziehungsmaßnahme: Wenn du künftig den Schnellsten willst, musst du den Hybrid nehmen. Das dürfte beim nächsten Cayenne und wohl auch beim nächsten 911 nicht anders sein.

Gib mir die Daten!

550 PS und 770 Newtonmeter liefert der V8 aus dem Panamera Turbo, 136 PS sowie 400 Newtonmeter bringt der E-Motor in diese unheilige Hybrid-Ehe mit ein. Wenn ihr nicht schon wieder vergessen habt, was ihr vor einer Minute gelesen habt, dann wisst ihr: All das führt zu einer Systemleistung von 680 PS und 850 Newtonmeter. Über eine Achtgang-Doppelkupplung (sechs "normale" Gänge, zwei Overdrive-Gänge) geht der ganze Irrsinn an alle vier Räder.

Das Elektro-Setup inklusive 14,1-kWh-Batterie, Verkabelung und Peripherie ist im Prinzip identisch mit dem des Panamera 4 E-Hybrid. Lediglich das Getriebe winselte wegen des höheren Drehmoments um eine Anpassung.

Wie ihr euch denken könnt, ist dieses Auto nicht unbedingt ein Lotus. Alles in allem steigt das Gewicht gegenüber dem Panamera Turbo um etwa 260 Kilo (127 Kilo gehen auf das Konto der Akkus), womit der Turbo S E-Hybrid letztlich bei SUVomentalen 2,35 Tonnen aufschlägt. Den Fahrleistungen ist das natürlich völlig egal. Der Turbo S E-Hybrid vernichtet die 0-100 km/hin 3,4 Sekunden (Panamera Turbo: 3,6 Sekunden). Die 200 km/h sieht er nach bedenklichen 11,7 Sekunden, womit er dem Panamera Turbo (auch nicht gerade für ausgeprägte Erschöpfung bekannt) über eine Sekunde abnimmt. Wem das alles ein wenig Angst macht, der hat vermutlich komplett Recht.

Und, wie fährt sich das alles so?

Moment, bisher bin ich nur mitgefahren.

Und, wie fährt sich das alles so mit?

Wo soll ich anfangen? Bei der schockierend ballistischen Zusammenführung meines Hinterkopfs mit der Kopfstütze oder bei dem Teil, wo ich mein Frühstück fast über die Mittelkonsole und meinen Chauffeur entleert hätte. Letzterer heißt übrigens Timo Bernhard, ist Fahrerweltmeister der FIA-Langstrecken-WM mit dem Porsche 919 Hybrid und hat auf dem Handlingkurs in Nardo gerade einen astreinen Launch-Control-Start vollführt, mit dessen beinahe lächerlicher Wucht meine inneren Organe noch immer nicht so ganz klarkommen. Ich glaube sie liegen jetzt alle irgendwo anders.

Schon ab 0 U/min reißen deutlich über 700 Newtonmeter an den bemitleidenswerten Achsen. Von 1400 bis 6000 Touren steht dann das komplette Drehmoment zur Verfügung. Dieses Auto fühlt sich tatsächlich noch ein ganzes Eck heftiger an als ein Panamera Turbo. Habe ich erwähnt, dass ich Hybride ziemlich großartig finde? (Hab ich das wirklich gerade gesagt?)

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Okay, geradeaus scheint zu laufen. Wie sieht es in der Kurve aus?

Genau, Kurve. Die ist ellenlang, hat etwa 90 Grad und kommt gerade verdammt viel zu schnell auf uns zu. Timo bleibt für meinen Geschmack deutlich zu entspannt am Gas und wirft den Kasten mit gut 200 km/h rein ins Vergnügen. Es stört den Turbo S E-Hybrid nicht im Geringsten. Er bleibt sehr flach, fast stoisch mit großartiger Balance und unglaublich viel Vertrauen (danke, liebe Batterien. Ihr seid nicht nur schwer, sondern auch unterm Kofferraum, was die Gewichtsverteilung sehr positiv beeinflusst). Dann geht es mit irre viel Grip und diesem affigen Schub wieder raus aus der Kurve.

Oh, da vorne ist eine Kuppe. Ähm … es wirkt noch immer komisch, das zu schreiben, aber ja, wir waren gerade kurz in der Luft. Mit einem Panamera, der schwerer ist als ein Haus. Der Dicke landet, als wäre nichts gewesen. Perfekt ausbalanciert schießt er von dannen. Schon ziemlich gut irgendwie.

Also kann dieser 2,35-Tonner einfach alles?

Wie sehr der zusätzliche Elektro-Boost die Vierteltonne Extra-Ballast kaschiert, ist schon recht schwer zu fassen. In engeren Kurven merkt man dann aber doch, wie der Turbo S E-Hybrid mit den Pfunden zu kämpfen hat.

Porsche photoshopt den Hybrid-Speck mit Tonnen an serienmäßigen Abkürzungen wie dem aktiven Fahrwerk (PASM), der aktiven Wankstabilisierung (PDCC Sport) oder dem Torque Vectoring Plus (PTV+) zwar so gut es geht weg, aber hier fährt halt noch immer ein Fünf-Meter-Tanker mit einem Batzen Batterien unterm Hintern. Und mit dem Auftrag bei aller Porsche-heit doch bitte auch Luxus-Limousine zu bleiben. Sprich: Auf der Strecke wankt, neigt und schiebt es immer ein bisschen, dafür bleibt es auch im Sport-Plus-Modus stets komfortabel.

Also doch lieber Vollgas in Richtung Horizont?

Naja, ich bin mir ziemlich sicher, dass Porsche auch mit einer Plug-in-Hybrid-Luxuslimousine eine aberwitzige Rundenzeit in den Nordschleifen-Teer brennen kann (und wohl auch wird). Aber am imposantesten ist der Panamera Turbo S E-Hybrid nach wie vor, wenn irgendjemand einfach das Gaspedal durch die Fußmatte drückt.

Diesen Job übernimmt nun Porsche-Testfahrer Lars Kern (genau, der junge Mann, der den Panamera Turbo in 7.38 Minuten über die Nordschleife geprügelt hat). Wir sind endlich dort angekommen, wo jeder hin will, der nach Nardo fährt. Ich spreche vom großen Kreis, den man auch aus dem All sehen kann, oder anders ausgedrückt: Wir befinden uns nun auf dem berühmten Highspeed-Oval. Diesmal lümmle ich im Fond und kann mir die abenteuerlich steigenden Geschwindigkeiten gemütlich auf dem Tablet vor mir ansehen.

Lars drückt den Turbo S E-Hybrid relativ beiläufig auf 200 km/h, haut den Pinsel bei 215 km/h nochmal richtig ins Blech und selbst jetzt spüre ich noch das berühmte Kribbeln in der Magengegend. Der Schwinger hält ungefähr bis 270, dann geht es ziemlich stringent weiter bis Tacho 316. Ja, 316! Wie gesagt, in einem Oval. Sprich: Mit lenken und so. Lars befördert uns also gerade mit gut 200 Meilen pro Stunde durch eine Zwölf-Kilometer-Dauerkurve. Er reißt dabei Witze und verweist auf den "großartigen Meerblick da vorne". Der Panamera wirkt beinahe unterfordert und im Fond merke ich von all dem Hochgeschwindigkeitstheater so gut wie garnichts. Es ist eine bemerkenswerte Demonstration der schönen neuen Hybrid-Welt.

Also ist ein 680-PS-Plug-in-Hybrid-Topmodell eine gute Sache?

Auf jeden Fall. Das hier ist wohl jene Zukunft, die uns mit den heiligen drei Hypercars (LaFerrari, P1, 918) angedeutet wurde. Natürlich kann man argumentieren, dass ein 462-PS-Hybrid pro Baureihe eigentlich reichen sollte. Aber wo der Panamera 4 E-Hybrid eher den inneren Buchhalter anspricht, macht der Turbo S E-Hybrid das, was das adrenalinsüchtige Partytier in dir will.

Natürlich sind die 2,9 Liter Normverbrauch in der Realität ziemlicher Unfug, aber im Alltag dürfte man dieses Monstrum mit um die acht bis zehn Liter ganz gut bewegen dürfen. Mit einem konventionellen, etwa 600 PS starken Verbrenner in einem imaginären Panamera Turbo S (ohne E-Hybrid) wäre das Utopie. Und bis zu 50 Kilometer rein elektrisch könnte der auch nicht fahren.

Einen vergleichbaren Zwitter aus lautlos surrender Edel-Sänfte und kapital röhrendem V8-Bluthund gibt es im Moment nämlich nicht. Und auch wenn der rein elektrische Tesla Model S P100D geradeaus noch ein wenig kranker anschiebt, hat er in puncto Fahrdynamik und Qualität doch deutlich das Nachsehen. Außerdem fährt der Tesla alles, aber bestimmt nicht locker über 300 km/h. Marktstart für den Panamera Turbo S E-Hybrid ist im Juli 2017. Ihr braucht mindestens 185.736 Euro (199.183 Euro für die Langversion) … und einen ziemlich festen Magen.

Autor: Stefan Wagner

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